Nepper, Schlepper, Bauernfänger

Ich bin reingefallen auf einen Internetbetrüger; das ärgert mich sehr. Fast schäme ich mich ein wenig, dass ich nicht aufmerksamer war oder meiner anfänglichen, ganz leisen Skepsis vertraut habe. Es hilft nichts – das Kind ist im Brunnen. Sprich ein billiger Pullover aus 100 Prozent Polyester, made in china, liegt bei mir in der Wohnung. Jetzt stehe ich in regem E-Mail-Austausch mit freundlichen Mitarbeitern, die mir erklären, warum ich kein Rücksendeetikett bekomme.

Rhen schreibt, ich solle Fotos von der Ware schicken, dann würde er sich überlegen, ob ich ein Rücksendeetikett bekomme. Leider ginge das doch nicht, kommt als Antwort auf meine Fotos einen Tag später die Nachricht von Jheny. Stattdessen solle ich den Rückversand nach China selbst bezahlen. Das könne zwar dauern, aber dann bekäme ich mein Geld zurück. Als ich dankend ablehne, offeriert mir Angela schließlich Variante 3: Ich könne die Ware behalten und bekäme – aus Kulanz – fünf Prozent des Kaufpreises erstattet.

Noch reagiere ich auf sämtliche Vorschläge weiter mit höflichen Mails: „Das Produkt entspricht nicht der versprochenen Ware; ich hätte gern ein Rücksendeetikett und das Geld zurück.“ Höchstwahrscheinlich werde ich nicht erfolgreich sein. Trotzdem gebe ich noch nicht auf.

Zwar habe ich „nur“ 55 Euro bezahlt, aber erstens ist auch das viel Geld und zweitens jeder Cent einer zu viel. Wie ich weiter verfahre und wann ich meine Niederlage akzeptiere, weiß ich noch nicht. Ich weiß nur, was in meiner letzten Mail an die freundlichen Mitarbeiter in China stehen wird: „Schämen Sie sich!“