Obwohl es angesagt scheint, ein Leben lang möglichst jung und energetisch auszusehen und zu wirken, kenne ich niemanden in meinem Alter, der die Zeit gern zurückdrehen würde. Vielleicht liegt es daran, dass – pauschal gesagt – mit dem Alter zwar der Energielevel und der Ehrgeiz sinken, dafür aber die Erfahrung steigt. Auf die damit verbundene Abgeklärtheit und Gelassenheit verzichtet freiwillig niemand, der noch alle Tassen im Schrank hat. Insofern bin auch ich dankbar für mein bereits erreichtes Alter: Der Druck, mich zu vergleichen und zu messen, sinkt. Auch dass meine schwindenden Kräfte mich zum Langsam-Tun zwingen, entspannt mich eher, als dass ich mich darüber ärgere.
Irgendwann wird das kippen: vielleicht schon bald. Laut Bibel kommen dann die „bösen Tage … und die Jahre nahen, da du wirst sagen: „Sie gefallen mir nicht.“ (Prediger 12, 1) Wir würden dann schlechter hören und sehen, heißt es in den darauffolgenden Versen; die Kräfte schwinden und die Angst vor allem Möglichen steigt … Bis es soweit ist, genieße ich mein Mittelalter mit allen Vorzügen gegenüber der Zeit, als ich zwar putzmunter, aber noch grün hinter den Ohren war.

