Es ist schwer geworden, ein Mann zu sein. Jedenfalls kommt es mir so vor, als hätten sich die Ansprüche an Männer sehr gewandelt in den letzten Jahrzehnten. Bei Herbert Grönemeyer kamen sie noch deutlich besser weg: „Männer nehm´ in den Arm, Männer geben Geborgenheit“, sang er lautstark, und niemand regte sich auf. Demgegenüber steht heute: „Männer halt“ – meist in eher abfälligem Ton.
Männer reden zu wenig oder zu viel, höre ich in meinem Bekanntenkreis, sie sind unsensibel, nicht kompromissfähig und machen einfach „ihr Ding“. Ohnehin verstehen sie fast nichts – und schon gar keine Frauen – und tun zu wenig dafür, dass das Miteinander funktioniert.
Dabei können Männer an sich gar nichts für all das, was ihnen vorgeworfen wird: Mit dem Sammelbegriff „alter weißer Mann“ im Nacken kann auch ein junges Exemplar jedweder Hautfarbe ziemlich viel falsch und kaum etwas richtig machen.
Mich ärgern diese Pauschalisierungen; ich würde so nie über meinen Mann und auch nicht über Männer im Allgemeinen reden. Schließlich bin ich als Frau ebenso wenig das perfekte Vorzeige-Modell. Weil ich das weiß, bemühe ich mich um ein weites Herz, das ich selbst so nötig habe und bei vielen Männern erlebe. Nicht nur insofern bekommen die meisten Herr-Schaften das mit dem Mann-Sein noch immer sehr gut hin: allen exorbitanten Erwartungen und oft unberechtigten Vorurteilen zum Trotz.

