„Uns geht´s gut“, schreibe ich Freunden von uns, „wir sind nur müde.“ Es ginge ihnen genauso, schreiben sie zurück und dann: „Vielleicht werden wir alt?“ Ich weiß, sie haben recht. Wir haben den körperlichen Zenit überschritten; fürs Ausreißen von Bäumen reicht es nicht mehr jeden Tag. Aber Alt-Sein als Grund für eine temporäre Wintermüdigkeit? Es fällt mir schwer, das zu akzeptieren: Ich erlebe mich noch nicht als alt, allerdings auch schon lange nicht mehr als jung, sondern irgendwo dazwischen.
Mit einer gewissen morgendlichen Steifheit kann ich ebenso leben wie damit, dass ich nachts lieber schlafe als lese, Briefe schreibe oder feiern gehe. Die Erinnerung an meine frühere, nimmermüde Belastbarkeit verblasst immer mehr – als hätte ich mir meine Kräfte schon immer einteilen müssen. Natürlich verschiebt sich mein Alter immer mehr von jung zu alt, so dass ich irgendwann morgens aufwachen und plötzlich alt sein werde. Wie auch immer sich das dann anfühlen wird: Bis es soweit ist, erlebe ich mich weiter ganz vergnügt irgendwo dazwischen.

