Fleiß: geschenkt!

„Du bist fleißig!“ In einem gewissen Alter klingt das irgendwie ein bisschen übertrieben: zu ordentlich, zu strebsam, zu angepasst und jedenfalls nicht cool. Ich hätte mich als Jugendliche sicher nicht gefreut über die lobende Feststellung, fleißig zu sein – selbst, wenn sie zugetroffen hätte.

Während ich aufwuchs, war ich umgeben von fleißigen Menschen. Meine Großmütter und meine Eltern arbeiteten viel und beschwerten sich nie. Es gehörte zu ihrem Leben dazu, etwas zu tun: einfach machen, egal ob beruflich oder in Haus und Hof. Gefühlt musste ich oft mithelfen und tat es selten klaglos. Insgesamt hatte ich natürlich größere Freiheiten als meine Eltern in ihrer Kindheit – war mir dieser aber nicht bewusst.

Von mir unbemerkt prägten diese menschlichen Vorbilder mein heutiges Tun: Ich bin fleißig. Das macht mich nicht stolz, sondern dankbar. Fleiß erleichtert meinen Alltag. Er ist ein Geschenk, dass ich erst nicht haben wollte und heute sehr schätze.