Ewiggestrig?

Die jungen Frauen heutzutage würden sie aufregen, erzählt eine Bekannte. Sie würden mit Füßen treten, wofür „wir in den 70er Jahren gekämpft haben“: nämlich ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten. „Diese jungen Frauen arbeiten nicht und sagen, es reicht ihnen, es ihrem Mann schön zu machen“, sagt sie und macht eine Drehbewegung mit der Hand, „vielleicht, indem sie am Herd stehen und Pudding rühren.“ Ich nehme an, sie spricht von den sogenannten Tradwives, traditionellen Ehefrauen und empfinde ihre Bemerkung als anmaßend und unsensibel. Denn zwar bin ich kein junges Mädchen, aber eine von diesen Frauen. Ich war sehr, sehr lange zu Hause mit meinen Kindern – in den Augen meiner Bekannten wahrscheinlich „nicht arbeitend, sondern Pudding rührend“.

In dem Moment bin ich sprachlos und frage mich, was ich zu meiner Verteidigung hervorzubringen habe – erstmal nichts. Hinterher fällt mir mehr ein, aber da ist unser Treffen vorbei …

Ich weiß, dass ich von den Frauen profitiere, die vor mir für Gleichberechtigung gekämpft haben. Ihnen habe ich es zu verdanken, dass ich frei bin, wählen zu gehen, zum Beispiel, oder einen Beruf auszuüben. Das ist für mich so großartig wie selbstverständlich. Wie ich diese Freiheit nutze, muss niemand bewerten – sonst ist es keine Freiheit. Keine Frau tritt irgendetwas mit den Füßen, wenn sie nicht wählen geht oder um ihrer Kinder willen zu Hause zu bleibt! Es ist eben keine Frage von „besser, fortschrittlich oder gleichberechtigt“, ob ich Vollzeit arbeite oder gar nicht. Aber es ist ewiggestrig, Frauen vorschreiben zu wollen, wie sie ihr Leben gestalten.