Einstellungssache

In gewisser Hinsicht war es früher leichter, alt zu sein. Meine Großmütter wurden beide (fast) 90 Jahre alt. Verglichen mit heute waren sie in ihrem Leben nicht viel unterwegs. In ihren letzten Jahren wurden sie körperlich unbeweglicher, ohne dass sich das stark auf ihren Alltag auswirkte: Bis fast zuletzt konnten sie machen, was ihnen in ihrem ganzen Leben wichtig war – sich selbst versorgen, Menschen begegnen (in Maßen), ein paar Schritte vor die Tür.

Ihre Kinder leben anders und die Enkel erst recht: Wir sind viel unterwegs und unternehmen andauernd etwas: Ein Kino- oder Konzertbesuch in 30 Kilometer Entfernung – kein Problem. Wir schaffen es zur Not an einem Tag, jemanden zu besuchen, der 250 Kilometer entfernt wohnt; und im Urlaub fliegen wir um die halbe Welt. Diese Form der Mobilität wird im Alter schwieriger, wenn nicht gar unmöglich. Je umtriebiger man in jungen Jahren lebt, umso mehr wird man später `lassen müssen´. Man kann das als höchst bedauerlich empfinden, als eine unwillkommene Einschränkung. Oder aber man akzeptiert es als normalen Lauf der Dinge, erinnert sich gern an Schönes und ist dankbar für das, was `noch geht´. (Und, ja, all das fängt nicht erst mit 80 an.)

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