Eine Stimme haben

Ein Redner auf einer Demonstration spricht klare und kluge Worte. Ich bewundere das; ich hätte auch gern eine Stimme, die Gewicht hat und gehört wird. Aber ich kann nicht auf Demonstrationen vor vielen Menschen reden, stattdessen gehe ich regelmäßig allein durch unsere Innenstadt. Dabei bete ich für Versöhnung der verschiedenen Gruppierungen, die durch die Corona-Pandemie in unserem Land sichtbar geworden sind. Während ich das tue, komme ich mir rat- und machtlos vor: Ob mein Gebet überhaupt etwas bewirkt? 

Corona ist vielschichtig, das ganze Thema ist sehr komplex; es existiert nicht nur EINE richtige Sichtweise: Ein Arzt in einer Lungenklinik hat eine andere Meinung dazu als der Lehrer einer Grundschulklasse; wieder anders sieht es eine alleinerziehende Mutter (mit oder ohne Home Office-Möglichkeit) mit Kindern im Schul-Lockdown. Ich glaube an einen Gott, der alle Menschen mit ihren Perspektiven sieht und verstehen kann. Er weiß eine Lösung. Außerdem hat Gottes Stimme Kraft und Macht: Er spricht nur ein Wort – `und es geschah so´, steht da mehrmals in der Schöpfungsgeschichte und ich glaube, dass das heute noch stimmt. Vielleicht ist es also doch das Beste, was ich machen kann: durch die Stadt laufen und um Gottes Eingreifen beten.

Eine Antwort auf „Eine Stimme haben“

  1. Ja, liebe Dagmar, genau so ist es . . .

    sicher kennst du das Gedicht von Reinhold Schneider „Allein den Betern kann es noch gelingen . . .“ , und sicher hat auch er sich – wie so viele und auch wir – rat-und machtlos gefühlt. Aber auch wenn das Ganze überhaupt nicht zu verstehen ist – eine brauchbare Alternative gibt es auch nicht, denn alle Demos und Solidaritätsbekundungen helfen ja objektiv nur wenigen der Betroffenen (im Sinne einer moralischen Stütze – sofern sie Kenntnis davon bekommen bzw. von den Spenden erreicht werden) und sind wohl in erster Linie für uns selbst gut im Sinne von: Wir haben doch wenigstens versucht, etwas zu machen . . .
    Solange noch und immer mehr gebetet wird, können die Mächte und Gewalten des Bösen zwar weiter wüten, aber nicht siegen, und darauf kommt es möglicherweise an . . .

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