Wir fahren in den Urlaub. In der Vergangenheit hatten wir manchmal Glück mit unseren Unterkünften, häufiger mussten wir uns arrangieren mit „so lala“. Letztes Jahr erwischten wir ein Ferienhaus auf Rügen, das einfach nur schön war. Dementsprechend war es leider bereits im Februar nicht mehr zu haben. Als Alternative wählten wir ein Haus in Mecklenburg, das im Internet so aussah, als könnte es passen. Unsere Ansprüche sind erfüllbar: Wir wollen chillen, genug Platz haben für uns vier, eine Terrasse mit ein bisschen Grün drumherum.
Der erste Eindruck bringt unsere Tochter an den Rand von Tränen: „Wie kann man sowas buchen? Das können gar keine schönen Bilder im Internet gewesen sein!“ Es ist eine puppenstubenkleine Doppelhaushälfte, in der vier Menschen sich aufhalten, aber nicht ausbreiten können. In den ersten zehn Minuten suche ich erfolglos nach einem angemessen großen Kochtopf, einer Saucenkelle und einem Schneidbrett. Die angekündigte Waschmaschine steht beim Vermieter im Haus. Wir werden aus Koffern leben müssen, nur in Etappen kochen können und weder auf der Terrasse noch im Grün drum herum ganz für uns sein. Sollte es regnen, werden die gemeinsamen Mahlzeiten schwierig: Auf dem Küchentisch liegen unsere Vorräte …
Nach der ersten Nacht ist unsere Tochter bedient: Die „Schlafzimmer“ haben keine Türen; das Haus ist sehr hellhörig. „Nicht mal ausschlafen kann ich hier“, schimpft sie. Sie hat recht, ich verstehe ihren Ärger und kann die Situation nicht schön-reden. Immerhin finde ich zum Frühstück einen Toaster für unser nicht mehr ganz frisches Brot. „Steck gleich vier Scheiben rein“, sagt mein Mann, „die werden schon alle.“ Ich probier´s – vergeblich: „Da passen nicht vier Scheiben rein, höchstens anderthalb“, sage ich und bekomme einen Lachkrampf. Das verändert nicht alles, nimmt aber die Schwere aus dem Moment. Wir finden es alle nicht toll; zu Hause ist es wirklich viel schöner. Aber wir sind jetzt hier und werden daraus machen, was geht – vielleicht wird es ja sogar das Beste.

