Ich organisiere ein Familientreffen und muss einiges bedenken. Als ich eine geeignete Örtlichkeit gefunden habe, bin ich erleichtert – wie sich herausstellt: zu früh. Denn ich muss einige Male nachhaken, wer wann kann und tatsächlich dabei sein wird. Schließlich ist auch das klar und ich verteile die Zimmer, wie die Teilnehmer es wünschen und brauchen: Einzel- oder Doppelzimmer; Aufbettung möglich oder nicht; Zimmer können verbunden werden … Aber es geht noch weiter. Unsere Gastgeber schicken mir eine Checkliste. Diese soll es leichter machen, unser Treffen vorzubereiten. Für mich offenbaren sich dadurch erst weitere komplexe Fragen: Wer isst Fleisch, wer bevorzugt vegetarische, wer vegane Kost? Weiterhin aufzulisten sind Unverträglichkeiten wie Gluten-, Laktose- beziehungsweise Fruktoseintoleranz (z. B. Name 1: vegetarisch + Nussallergie; Name 2: kein Schwein + Laktoseintoleranz usw.). Sind die Teilnehmer männlich, weiblich oder divers – und wenn ja, wie viele?
Indem großzügig auf alle möglichen Befindlichkeiten Rücksicht genommen wird, zerrint mir meine eigene Großzügigkeit zwischen den Fingern. Es handelt sich um ein gemeinsames Wochenende, denke ich, esst Äpfel! Umso mehr beginne ich einen Gast zu schätzen, der ebenso aus dem letzten Jahrhundert stammt wie ich. Er hatte mir bereits im Vorfeld mitgeteilt, er sei zwar Vegetarier, aber Salate und Brot würden ihm reichen. Seinetwegen müsse ich mir keinen Kopf um irgendwelche Extras wie Grillkäse und Co. machen. Wie schön, wie unkompliziert, wie angenehm – ein bisschen wie früher!

