Hausfrauen-Glück?

Weil meine Marmelade nicht fest geworden ist, belese ich mich und weiß, was alles schiefgehen kann. Um Abhilfe zu schaffen, besorge ich mir Apfelpektin. Ich rechne nicht damit, dass dieses sich schlecht löst – zumindest in kalter Flüssigkeit – und erlebe eine böse Überraschung. In meinem Topf sind fünf Kilo Marmelade mit großen, hellen Pektin-Klumpen. Erdbeermarmelade adé?, frage ich mich und rühre kräftig und ausdauernd weiter, denn die Hoffnung stirbt zuletzt. Tatsächlich werden die Klumpen langsam kleiner, je wärmer mein Obst-Zucker-Pektin-Gemisch wird. Jetzt nicht zu lange kochen, weiß ich, denn sonst klappt das mit dem Gelieren wieder nicht. Meine Nervosität steigt. „Du bist so patent“, flüstert mein Mann mir zwischendrin ermutigend ins Ohr. Ich schüttele energisch den Kopf und denke wehmütig an meine diesbezüglich versierten Großmütter.

Durch die heutige Erfahrung weiß ich: All meine bisher gelungenen Marmeladen-Projekte haben auf jeden Fall mehr mit Glück zu tun als mit Verstand. Die Unbeschwertheit, die mir in den vergangenen Jahrzehnten treu war, hat heute einen ziemlichen Dämpfer erlitten. Ich bin froh, dass ich mit Marmelade für das nächste Jahr durch bin: Zeit genug, mein gerupftes Gefieder zu richten und neue Leichtigkeit zu entwickeln.

Luxus-Info

Unser Navi zeigt nicht nur den Weg, sondern auch die zulässige Höchstgeschwindigkeit. Auf Autobahnen stimmt diese nicht immer mit der aktuellen Beschilderung überein, was mich meist etwas irritiert. Trotzdem ist dieser Service sehr praktisch. Allerdings hat er auch eine Kehrseite: Ich verlasse mich darauf und achte weniger gründlich auf die Straßenschilder – wir sind halt bequeme Wesen.

Ungünstigerweise passiert mir das manchmal auch, wenn ich gar kein Navi angeschaltet habe. „Ist hier noch Tempo 30 oder darf ich schon wieder 50 fahren?“, fragte ich mich heute ratlos. Mit dem Verhalten der anderen Verkehrsteilnehmer als einzigem Anhaltspunkt war ich aufgeschmissen: Denn möglicherweise sind diese ebenso eingelullt im Luxus der Navi-Information und buchstäblich im Blindflug unterwegs. Es scheint, als würde ein „Zuviel“ an Hilfe zwar das Leben erleichtern, aber die eigene Leistungsbereitschaft und -fähigkeit senken: Luxus als Ambitions-Killer.

Geld stinkt (nicht)

Auch Menschen, die mit einem goldenen Löffel im Mund geboren werden, können sehr nett sein und einen feinen Charakter haben.

Ansichtssache?

Es gebe einen schönen neuen Text für das Volkslied Kein schöner Land in dieser Zeit, erzählt ein Musiker. „Da sind sicherlich die Gottesbezüge verschwunden“, vermute ich, weil ich ihn ein bisschen kenne. Er nickt begeistert und strahlt. „Gott mag es schenken, Gott mag es lenken, er hat die Gnad“, heißt es in dem Lied und in einer anderen Strophe: „… der Herr im hohen Himmel wacht. In seiner Güten uns zu behüten hat er bedacht.“

Als Kinder des christlichen Abendlandes dichten wir Lieder um, die einen christlichen Bezug haben. Wir ereifern uns über einen christlichen Profi-Fußballer, der am Ende einer Partie mit Mitspielern betet – und sind offen skeptisch gegenüber allem, was er von sich gibt. Wir belächeln insgeheim diejenigen, die „So wahr mir Gott helfe“ ernst meinen. Gleichzeitig geben wir uns weltoffen und extrem tolerant. Unsere Türen stehen allen anderen Kulturen dieser Welt weit offen, während wir unsere eigene mit Füßen treten: Ich frage mich, wie lange das gut gehen kann, bis wir uns selbst verlieren. 

Unsere Straßen

Auf unseren Straßen regieren die Autos. Fahrradfahrer leben dort gefährlich, haben zwar gleiche Rechte, aber im Zweifelsfall schlechte Karten. An einigen Orten in unserer Stadt gibt es deshalb Fahrradstraßen: Oasen im Auto-dominierten Verkehrsmiteinander, wo die Vorfahrt und einige Vorrechte den Radfahrern gehören. Hier dürfen sie nebeneinander und in ihrem Tempo fahren – zumindest theoretisch. In der Praxis haben manche Autofahrer das Konzept „unserer Straßen“ offenbar nicht verstanden: Sie drängeln, fahren dicht auf oder quetschen sich eilig und rücksichtlos vorbei.

Im ganz normalen Straßenverkehr bin ich zurückhaltend unterwegs, buchstäblich nachgiebig und entspannt. Nie würde ich auf Konfrontationskurs mit einem Auto gehen, bin weder militant noch schimpfe ich lautstark. Auf Fahrradstraßen schüttele ich eher mal den Kopf und ärgere mich: an der Arroganz der Autofahrer, die ungeduldig wirken und die Fahrbahn offenbar nur ungern mit anderen teilen.

Dynamik

Zwei Kinder sind zu Besuch. Sofort ist es lauter bei uns, dauert alles länger, lachen wir mehr – und reiben uns aneinander. Es ist fast wie früher und doch ungewohnt. Alle sind weitergegangen, einige inzwischen auf ihren eigenen Lebensstraßen. Wenn diese sich temporär wieder kreuzen und wir relativ kurz miteinander verweilen, läuft das nicht immer reibungslos. Die alte Familiendynamik bricht durch, aber wir sind nicht mehr die alten: Es knirscht und rumpelt. Einerseits ist das normal und gut so, andererseits schade. Denn die wenigen gemeinsamen Stunden sind eigentlich zu kostbar für unnötige Friktion.

Irgendwann werden wir wissen, wie wir in dieser neuen Familienphase gut miteinander umgehen. Bis dahin müssen wir´s aushalten, dass es knirscht und rumpelt.

(K)ein Spaziergang

Wenn wir gemeinsam spazieren gehen, bin ich meinem Mann oft zu schnell unterwegs. „Das Tempo, das du vorlegst, ist kein Spazier-Gang“, sagt er. Und dann wird er mit jedem gelaufenen Kilometer ein bisschen schneller und ich langsamer – dann passt´s. 

Gebraucht

Bevor der Entrümpler kommt, dürfen wir schauen, ob wir etwas gebrauchen können: Ein Haus voller Zeugs; es riecht feucht – eine Mischung aus Wasser im Keller und unzureichend gelüftet. Wir „entdecken“ einen Schreibtisch, zwei Rollcontainer und ein Bett: schöne schlichte Buchen-Möbel. Genau richtig für das „Kind“, das als nächstes auszieht. Außerdem schnappen wir uns ein paar Telefone und Textmarker. Zu Hause stellen wir alles zum Lüften auf die Terrasse und ich schrubbe die Möbel und putze die Telefone. Neu kaufen geht schneller, denke ich währenddessen, aber auch, wie gern ich etwas weiterbenutze, was ein anderer nicht mehr braucht. 

Einfach so dahingesagt

Unser Garten ist wunderbar. Trotzdem bleibt er ein „work in progress“. Gerade wenn du denkst, du hättest alles schon gesehen, greift das Grünzeug in die Trickkiste: Es ist nicht jedes Mal ein neues Unkraut, sondern das alte wächst einfach sehr üppig irgendwo anders als vorher. Gras in Immergrün zum Beispiel ist eine solch suboptimale Kombination. Die Halme sind schwer zu fassen und kommen einfach immer wieder durch. Heute wollte ich nachbessern und merkte: Die meisten Stellen habe ich inzwischen einigermaßen im Griff. Aufgrund des Regens der letzten Tage beseitige ich hochmotiviert und gelassen ein paar verbliebene Hälmchen und schlendere weiter zum nächsten Beet.

Hier leuchtet es in knalligem Gelb: auf den ersten Blick ganz nett, auf den zweiten leider merkwürdig großflächig. „Das ist kein richtiges Unkraut“, sagt mein Mann. Interessiert mich nicht, denke ich und murmele: „Dieses Nicht-Unkraut wird irgendwann mal der Grund sein, das Haus zu verkaufen.“ Mein Mann lächelt und schweigt. Zwar hat er recht – und wer definiert eigentlich Unkraut? Vor allem im Garten dulde ich normalerweise viel und halte nichts von geschniegelter Planung. Aber dieser entzückende Gelbschleier ist mir entschieden zu viel. Missmutig und unmotiviert rupfe ich ein bisschen hier und ein bisschen da und stelle dann entmutigt kein. Dennoch verkaufe ich so schnell nichts und meine solche Sätze nicht ernst. Ich sage sie einfach so dahin – eine Momentaufnahme, die ich übermorgen vielleicht durch heute nicht vorstellbaren Tatendrang revidieren werde.

A book and its outcome

Having read The Correspondent I am inspired to revive my former passion for being a correspondent – starting immediately.