Weil meine Marmelade nicht fest geworden ist, belese ich mich und weiß, was alles schiefgehen kann. Um Abhilfe zu schaffen, besorge ich mir Apfelpektin. Ich rechne nicht damit, dass dieses sich schlecht löst – zumindest in kalter Flüssigkeit – und erlebe eine böse Überraschung. In meinem Topf sind fünf Kilo Marmelade mit großen, hellen Pektin-Klumpen. Erdbeermarmelade adé?, frage ich mich und rühre kräftig und ausdauernd weiter, denn die Hoffnung stirbt zuletzt. Tatsächlich werden die Klumpen langsam kleiner, je wärmer mein Obst-Zucker-Pektin-Gemisch wird. Jetzt nicht zu lange kochen, weiß ich, denn sonst klappt das mit dem Gelieren wieder nicht. Meine Nervosität steigt. „Du bist so patent“, flüstert mein Mann mir zwischendrin ermutigend ins Ohr. Ich schüttele energisch den Kopf und denke wehmütig an meine diesbezüglich versierten Großmütter.
Durch die heutige Erfahrung weiß ich: All meine bisher gelungenen Marmeladen-Projekte haben auf jeden Fall mehr mit Glück zu tun als mit Verstand. Die Unbeschwertheit, die mir in den vergangenen Jahrzehnten treu war, hat heute einen ziemlichen Dämpfer erlitten. Ich bin froh, dass ich mit Marmelade für das nächste Jahr durch bin: Zeit genug, mein gerupftes Gefieder zu richten und neue Leichtigkeit zu entwickeln.

