Vorgärten mit und ohne Herz

Der Vorgarten meiner Eltern ist ein Hingucker. Weil meine Mutter ein Herz fürs Gärtnern hatte, legte sie gern und oft selbst Hand an. Entsprechend bunt und vielfältig ging und geht es zu in diesem Vorgarten, dabei gepflegt und unkrautarm. 

In unserer Nachbarschaft wirken die meisten Vorgärten langweilig: Unkraut gibt es ebenso wenig wie Vielfalt, meist nur kleine Rasenflächen oder Beete mit pflegeleichten Bodendeckern. Ordnende Hände sucht man vergebens; stattdessen fahren Mähroboter kreuz und quer durch die Gegend oder die automatische Bewässerung läuft. Die Heinzelmännchen im 21. Jahrhundert sorgen für ein gepflegtes Aussehen, haben aber kein Herz fürs Gärtnern.

Zu viel

„Was gibt´s da viel zu organisieren?“, werde ich gefragt – so als würde ich mich unnötig anstellen. Wahrscheinlich nicht viel, denke ich, aber ich möchte es trotzdem nicht tun. Mir ist das kleine Bisschen einfach zu viel. Dennoch torpediert ein leises schlechtes Gewissen meine instinktive Absage.

Normalerweise möchte ich tun, was von mir erwartet wird. Aber je älter ich werde, umso mehr Zeit gönne ich mir: um in Ruhe abzuwägen, was ich mache und was nicht. Ich darf mich abgrenzen, ohne mich rechtfertigen zu müssen. In diesem Fall gelingt es mir, bei meinem „Nein“ zu bleibe. Im Nachhinein bin ich froh und ermutigt. Auch künftig werde ich mich darin üben, vor meinem automatischen „Ja“ zu überlegen, ob ich dieses auch so meine.

Aufregend schwungvoll

Vor einer Prüfung oder Präsentation sind die meisten von uns aufgeregt; das ist einfach so. Man kann versuchen, sich Ruhe einzureden – „Ich bin ganz ruhig“ oder so ähnlich. Meiner Erfahrung nach klappt das nur höchst selten. Denn normalerweise lassen sich unsere Emotionen nur schwer zurückdrängen. Schlauer könnte es sein, die eigene Aufregung zu akzeptieren und für sich zu nutzen: „Ich bin mal gespannt, was passiert.“ Im besten Fall verleiht diese Einstellung dem Ganzen einen wunderbaren Schwung, den man vorher gar nicht für möglich gehalten hätte.

Eine Zumutung

Auf einem Werbeplakat, an dem ich ab und an vorbeifahre, steht so etwas wie: „Wiedergewonnene Freiheit, dank starken Beckenboden.“ Ich könnte mich angesprochen fühlen. Schließlich habe ich fünf Kinder geboren und meinem Beckenboden einiges zugemutet.

Andererseits frage ich mich, ob die Werbetreibenden Witze machen. Für welches Wundermittel auch immer sie werben: Sie scheinen die Freiheit von deutscher Grammatik gratis mitzuliefern – den geneigten Lesern, aus meiner Sicht, nicht zuzumuten.

(Un)verbindlich

Menschen heiraten. Sie bekräftigen Ihr Ja zueinander vor Zeugen, verbindlich und mit einer Urkunde – ganz freiwillig und wunderbar. Leider wird inzwischen, rein statistisch, jede dritte Ehe geschieden. Was bleibt, ist eine zerbrochene Verbindung inklusive der damit einhergehenden Emotionen: Trauer, Wut, Enttäuschung, Unsicherheit, Verlustängste, Schuldgefühle …

Manche der Geschiedenen heiraten ein zweites Mal – manche von ihnen sogar wieder denselben Partner: Bettina und Christian Wulff gaben sich zweimal das Ja-Wort; Claudia und Stefan Effenberg planen inzwischen ihre dritte gemeinsame Ehe. Unbenommen ist es schön, wenn Menschen sich versöhnen und ihre Verbundenheit wiederherstellen. Aber insgesamt irritiert mich dieses Ehe-Hin-und-Her; es ist und bleibt unverbindlich.

Eine Frage der Organisation

„Sie lebt noch“, begrüßen mich zwei Bekannte, als wir uns nach langer Zeit mal wieder beim Spazierengehen treffen: sie mit Hund(en), ich ohne Hund und dafür mit Gebet. Ich berichte kurz von meiner neuen Arbeit, durch die ich morgens oft nicht zu meiner üblichen Runde komme. „Das ist schade“, findet die eine, die andere wird deutlicher: „Alles eine Frage der Organisation.“ Gassigehen habe Priorität, sagt sie, sie müsse ja und zeigt auf ihre Hunde.

Das stimmt, denke ich und fühle mich ertappt. Es ist mir wichtig – jedenfalls theoretisch –, den Tag mit Stille und mit Jesus anfangen zu lassen. Und das fällt mir leichter, wenn ich draußen unterwegs bin. Praktisch habe ich meine Priorität in den letzten Monaten anders gesetzt. Aber ich könnte tatsächlich lieber vor der Arbeit spazieren gehen, anstatt im Haus Ordnung zu machen. Es ist wahrscheinlich alles eine Frage der Organisation.

Mehr als Flüchtig

Heute Morgen auf dem Weg zur Arbeit hatte ich einen flüchtigen, guten Gedanken. Er kam völlig unerwartet, ohne mein Zutun; ich wollte ihn mir merken und notieren. Bei der Arbeit ging es allerdings sofort los: Texte, Fotos, Telefongespräche, Listen, Briefe und Mails schreiben … Stunden später auf dem Heimweg fällt mir wieder ein, dass ich morgens einen flüchtigen Gedanken hatte, der gut war – nur: welchen? Ich kann mich partout nicht erinnern, auch zu Hause nicht. Es ist schade, aber mein flüchtiger Gedanke ist so gegangen, wie er kam: völlig unerwartet und ohne mein Zutun.

Ungnädig und unfrei

„Ein jeder hat zuerst in seiner Sache recht; kommt aber der andere zu Wort, findet sich´s.“
Sprüche 18, ,17

Kürzlich hatte ich mit Menschen zu tun, deren Erwartungen ich nicht erfüllte. Ich gab mein Bestes, scheiterte aber: weil ich einen Termin nicht wahrnehmen und auf die Wünsche einer anderen Person nicht eingehen konnte. Ich hatte meine Gründe dafür, erklärte diese aber nicht gut genug. Im Ergebnis sind Menschen verletzt – und reagieren dementsprechend: ungnädig. 

Vor mir selbst rechtfertige ich mein Verhalten und ärgere mich über das mir entgegenschlagende Unverständnis – und reagiere entsprechend: ungnädig.

Einer muss den ersten Schritt zur Klärung tun. Morgen ist meine Chance. Ich muss es probieren, denn selbst wenn der andere beleidigt und mir gegenüber ungnädig bleibt, werde ich frei sein: von schlechtem Gewissen, Schuldgefühl und Vorwurfsdenken.

„Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte.“
Psalm 103, 8

Nichts Besonderes?

Mein freier Tag, einmal pro Woche, ist komplett anders als die anderen (Arbeits-)Tage der Woche und also etwas Besonderes: Er liegt morgens wunderbar unverplant vor mir, füllt sich ganz von selbst mit viel Tun und vergeht dadurch viel zu schnell. Ich freue mich jede Woche auf ihn und empfinde ihn als erholsam – aber in meiner Erinnerung wird er keinen besonderen Platz haben.

Knappe Sache

Wir essen Spaghetti mit Tomatensauce. Gegen normalerweise unvermeidliche Klecker-Flecken holt sich der eine oder andere eine Schürze. Für meine Tochter bleibt nur das Modell aus Kindertagen – der „Tanga unter den Schürzen“, wie mein Mann findet. Es ist buchstäblich eine knappe Sache, aber am Ende reicht´s!